Was ist der Bodenrichtwert?

Björn Stoyan
17. Juli 2025

In diesem Blog-Beitrag zum Thema „Was ist der Bodenrichtwert“ klären wir die wichtigsten Faktoren – Von der Definition bis zur korrekten Berechnung.

Vorab:

Was bedeutet Bodenrichtwert? – Definition und Grundlagen

Der Bodenrichtwert ist mehr als nur eine rechnerische Größe. Er dient als Maßstab für den durchschnittlichen Wert unbebauter Grundstücke und wird durch lokale Gutachterausschüsse auf Grundlage realer Kaufpreisanalysen erstellt.

Diese Ausschüsse erfassen Verkaufspreise vergleichbarer Grundstücke innerhalb definierter Zonen. Aus diesen Werten berechnen sie Durchschnittspreise, die als Orientierung für den Bodenrichtwert dienen.

Die wichtigsten Merkmale im Überblick:

Ermittelt durch regionale Gutachterausschüsse

Beruht auf echten, notariell beurkundeten Kaufpreisen

Gibt den Durchschnittspreis je Quadratmeter an

Wird in regelmäßigen Zeitabständen aktualisiert

Der Bodenrichtwert hat weitreichende Auswirkungen – etwa bei der Beleihung durch Banken, bei steuerlichen Bewertungen oder in gerichtlichen Verfahren wie Erbauseinandersetzungen oder Scheidungen. Seine Aktualität macht ihn zu einem verlässlichen Werkzeug für eine objektive Einschätzung des Grundstückswertes.

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Bodenrichtwert: Definition, Bedeutung und Anwendung im Immobilienmarkt

Der Bodenrichtwert ist ein zentraler Begriff im Immobilienmarkt. Er beschreibt den durchschnittlichen Wert eines Quadratmeters unbebauten Bodens in einem bestimmten Gebiet. Dieser Wert spielt eine wesentliche Rolle bei der Bewertung von Grundstücken und dient als wichtige Orientierung für Marktteilnehmer.

Aber was genau steckt hinter dem Begriff „Bodenrichtwert“? Es handelt sich dabei um einen Orientierungswert, der von unabhängigen Gutachterausschüssen festgelegt wird. Diese Ausschüsse werten reale Kaufpreise sowie aktuelle Markttrends aus, um den Wert sachgerecht zu bestimmen.

Der Bodenrichtwert beeinflusst die Preisgestaltung für Bauland, Gartenland, Gewerbegrundstücke und sogar für landwirtschaftlich genutzte Flächen wie Wiesen. Seine regelmäßige Aktualisierung sorgt dafür, dass die Grundstückswerte möglichst marktgerecht und nachvollziehbar eingeschätzt werden können.

Für Käufer, Verkäufer und Eigentümer ist der Bodenrichtwert daher ein unverzichtbares Instrument, um faire und fundierte Entscheidungen zu treffen.

Wie wird der Bodenrichtwert ermittelt?

Die Ermittlung des Bodenrichtwerts erfolgt nach einem standardisierten, nachvollziehbaren Verfahren. Die zentrale Rolle übernehmen dabei die Gutachterausschüsse für Grundstückswerte, die auf Landes- oder kommunaler Ebene tätig sind.

Der Ablauf beginnt mit der Sammlung von Kaufvertragsdaten aus dem Grundbuch. Diese umfassen Informationen zu Preis, Lage, Größe und Art der Grundstücke.

Anschließend folgt eine Marktanalyse, bei der regionale Preisentwicklungen, Nutzungsarten und Lagemerkmale berücksichtigt werden. Daraus entstehen Vergleichswerttabellen, die als Basis für die endgültige Festlegung des Bodenrichtwerts dienen.

Ablauf der Bodenrichtwertermittlung:

Datenerhebung: Sammlung von Kaufpreisen und Grundstücksdaten

Marktanalyse: Ermittlung regionaler Preisniveaus und Trends

Erstellung von Vergleichswerttabellen

Festlegung des Bodenrichtwerts in Abstimmung der Ausschüsse

Sonderfaktoren wie ungewöhnliche Grundstücksformen, Erschließungsgrad oder Einschränkungen durch Bebauungspläne werden bei Bedarf berücksichtigt.

Der finale Wert wird mindestens einmal jährlich beschlossen und über öffentliche Plattformen – wie BORIS – zur Verfügung gestellt.

Wofür wird der Bodenrichtwert verwendet?

Der Bodenrichtwert erfüllt vielfältige Aufgaben in der Immobilienbewertung und Stadtentwicklung. Er ist rechtlich und wirtschaftlich von Bedeutung und wird von öffentlichen wie privaten Akteuren genutzt.

Typische Anwendungsfelder:

Grundstücksbewertung: Grundlage für Kaufpreisermittlungen

Steuerliche Bewertung: Nutzung bei Erbschafts- und Schenkungssteuer

Städtebauliche Planung: Orientierung bei Bodenpreisniveaus

Zwangsversteigerungen: Ermittlung des Verkehrswerts

Finanzierungen: Kalkulationsbasis für Banken und Kreditgeber

Er stellt sicher, dass Grundstücke objektiv und vergleichbar bewertet werden können, unabhängig von subjektiven Einschätzungen. Käufer erhalten so eine verlässliche Orientierung, während Verkäufer marktgerechte Angebote formulieren können.

Unterschiede zwischen Bodenrichtwert, Grundstückswert und Verkehrswert

In der Praxis treten oft drei Begriffe nebeneinander auf, die klar unterschieden werden sollten: Bodenrichtwert, Grundstückswert und Verkehrswert.

Der Bodenrichtwert ist ein Durchschnittswert je Quadratmeter unbebauten Bodens in einer bestimmten Zone.

Der Grundstückswert setzt sich aus dem Bodenrichtwert plus individueller Eigenschaften des Grundstücks zusammen, z. B. Erschließung, Zuschnitt oder Baurecht.

Der Verkehrswert beschreibt den voraussichtlichen Marktwert einer Immobilie unter Berücksichtigung von Grundstück, Bebauung, Nutzbarkeit und Marktlage.

Zusammenfassung:

Begriff Beschreibung
Bodenrichtwert Durchschnittswert je m² unbebauten Landes einer Zone
Grundstückswert Bodenrichtwert + individuelle Eigenschaften des Grundstücks
Verkehrswert Marktwert inkl. Boden, Gebäude und aktueller Marktentwicklung
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Bodenrichtwert in Niedersachsen einsehen – So funktioniert’s

In Niedersachsen können Bürgerinnen und Bürger den Bodenrichtwert komfortabel über das BORIS-NI-System (Bodenrichtwertinformationssystem Niedersachsen) einsehen. Dieses kostenlose Online-Tool bietet Zugriff auf alle relevanten Informationen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung:

BORIS Niedersachsen öffnen: www.boris.niedersachsen.de

Adresse oder Flurstück eingeben

Bodenrichtwert ablesen – inklusive Zusatzinfos wie Stichtag, Lagebezeichnung, Erschließung

Ein besonderer Vorteil: Auch historische Bodenrichtwerte sind einsehbar. Dadurch lassen sich Entwicklungen über Jahre hinweg nachvollziehen – ein Pluspunkt für Investoren und Projektentwickler.

Die Daten werden regelmäßig aktualisiert und sind damit eine verlässliche Quelle für Entscheidungen rund um Grundstückskäufe, Verkäufe oder steuerliche Bewertungen.

Regionale Unterschiede in der Bodenrichtwerttabelle

Bodenrichtwerte unterliegen erheblichen regionalen Schwankungen. Eine übersichtliche Darstellung bieten Bodenrichtwerttabellen, die je nach Gemeinde oder Stadtgebiet geführt werden.

Typische Unterschiede:

Ballungsräume: Höchste Bodenrichtwerte (z. B. Innenstadtlagen)

Kleinstädte und Randlagen: Mittlere bis hohe Werte

Ländliche Regionen: Deutlich niedrigere Werte

Diese Differenzen resultieren aus Faktoren wie Lagegunst, Infrastruktur, Wirtschaftskraft und Nachfrage. In wachsenden Regionen steigen die Werte häufig kontinuierlich, während in strukturschwachen Gebieten moderate oder stagnierende Werte vorherrschen.

Bodenrichtwerttabellen ermöglichen gezielte Marktvergleiche, besonders bei Investitionsentscheidungen oder zur Einschätzung künftiger Wertentwicklungen.

Quadratmeterpreise nach Grundstücksart: Bauland, Gartenland, Gewerbe- & Wiesengrundstücke

Je nach Nutzungsart unterscheiden sich die Quadratmeterpreise teils erheblich. Der Bodenrichtwert orientiert sich dabei an der zulässigen Nutzung sowie der typischen Nachfrage.

Übersicht der Grundstücksarten:

Bauland: Höchster Preis aufgrund sofortiger Bebaubarkeit

Gartenland: Günstiger, da eingeschränkte Nutzbarkeit (Freizeitgärten etc.)

Gewerbegrundstücke: Starke Preisdifferenzen je nach Lage und Verkehrsanbindung

Wiesengrundstücke: Meist am günstigsten, da landwirtschaftlich genutzt

Die folgende Faustregel gilt: Je höher die Nutzbarkeit und Erschließung, desto höher der Wert. Wer also ein Grundstück erwerben möchte, sollte dessen Kategorie klar kennen und mit ähnlichen Angeboten vergleichen.

Welche Faktoren beeinflussen den Bodenrichtwert?

Der Bodenrichtwert ist ein dynamischer Wert und wird durch zahlreiche externe und interne Einflüsse bestimmt. Zu den wichtigsten Faktoren zählen:

Lage: Zentrale oder infrastrukturell gut angebundene Lagen erzielen höhere Werte

Nachfrage: Bevölkerungszuwachs oder wirtschaftliches Wachstum treiben die Preise

Bebaubarkeit: Umfang der erlaubten Nutzung gemäß Bebauungsplan

Infrastrukturprojekte: Straßen, ÖPNV, Gewerbeparks erhöhen die Attraktivität

Umwelteinflüsse: Hochwassergefahr, Lärmbelastung oder Naturschutz senken den Wert

Auch politische Maßnahmen wie Ausweisungen neuer Baugebiete oder Beschränkungen im Bauplanungsrecht wirken sich unmittelbar auf den Bodenrichtwert aus.

Bodenrichtwert berechnen – Ein Beispiel

Wer den Wert eines unbebauten Grundstücks einschätzen möchte, kann dies mithilfe des Bodenrichtwerts tun.

Formel:

Grundstückswert = Bodenrichtwert × Grundstücksfläche

Beispiel:

Ein Bodenrichtwert von 250 €/m² und ein Grundstück mit 600 m² Fläche ergeben:

250 € × 600 m² = 150.000 € Grundstückswert

Dabei ist zu beachten: Dieser Wert stellt eine Orientierung dar. Individuelle Besonderheiten – etwa Hanglage, Erschließungsgrad oder Denkmalschutz – können den tatsächlichen Marktwert beeinflussen.

Fazit: Warum der Bodenrichtwert so wichtig ist

Der Bodenrichtwert bietet eine zentrale Orientierung im Immobilienwesen – sowohl für Privatpersonen als auch für Fachleute. Käufer nutzen ihn zur realistischen Preisprüfung, Verkäufer zur Festlegung marktkonformer Angebote. Eigentümer wiederum profitieren bei steuerlichen Bewertungen oder in Planungsfragen.

Dank der regelmäßigen Aktualisierung und der transparenten Berechnungsmethodik bietet der Bodenrichtwert eine verlässliche Grundlage für faire und fundierte Entscheidungen rund um Grundstücke und Immobilien.

Häufig gestellte Fragen zum Thema: Was ist der Bodenrichtwert

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Über den Autor:

björn
Björn Stoyan | Gemäß DIN EN ISO/IEC 17024 zertifizierter Sachverständiger für Immobilienbewertung ZIS Sprengnetter Zert (S)

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